Ganzheitliche Ernährungsberatung
Die andere Ernährungsberatung, unkonventionell, ohne Verbote und schlechtes Gewissen.
In enger Zusammenarbeit mit Frau Dr. med. Chantal Füssler, Schindellegi

Reformhaus-Fach-Akademie


Ernährungspsychologie - aktueller denn je

Ernährungsberatung hat nicht nur mit Ernährung zu tun, sondern auch mit Psychologie.

Die Ernährungspsycholgie beschäftigt sich vor allem mit "der Bestimmung und Veränderung von Verhaltensweisen und Kognitionen, die mit Krankheitsrisiken verbunden sind oder die der Geundheitsförderung und Krankheitsbewältigung dienen".

Grundfragen der Ernährungspsychologie:

  • Warum beginnen wir zu essen?
  • Warum beenden wir das Essen
  • Warum essen wir genau das, was wir essen?

Beschreibung der Ernährungspsychologie:
Nach Pudel und Westenhöfer ist "Ernährungspsychologie ein wissenschaftliche Beitrag der Psychologie

  1. zum Verständnis der Bestimmungsgründe des Menschlichen Essverhaltens:
  2. seiner Verbreitung und seiner möglichen Gesundheitsrisiken
  3. um durch bedarfsgerechte Ernährung die Psychologische Gesundheit zu fördern oder ernährungsabhängige Krankheiten zu bessern;
  4. Hierzu sind motivationale, kommunikative und ggf. auch therapeutische Strategien zu begründen, die verhaltenswirksam werden und
  5. die auch die Wirkungen er Lebensmittelinhaltsstoffe auf psychologischer ebene einbeziehen."

Steuerung des Essverhaltens

Primär- und Sekundärbedürfnisse
Die intensiven Körpergefühle des Hungers und der Sättigung regulieren die Nahrungsaufnahme beim Neugeborenen.
Grundsätzlich gilt die Kompetenz zur bedarfsgerechten Steuerung der Nahrungsaufnahme als angeboren, nicht aber die Ausdifferenzierung in Form von Sekundärbedürfnissen, die spätestens nach dem Abstillen einsetzt. Pudel vergleicht diesen soziokulturellen Lernprozess mit dem erlernen der Muttersprache. "Auch bei der Sprachentwicklung ist die Kompetenz zum Spracherwerb angeboren, nicht aber die Spezialisierung auf eine konkrete Sprache hin. Der kulturelle Geschmack wird dem Baby also gleichsam in die Wiege gelegt, aber er ist noch von vorne herein präformiert, sondern er bildet sich durch das Hineinwachsen in die Kultur aus." Das menschliche Essverhalten wird grundsätzlich durch eine Fülle von sekundären Motiven gesteuert, die weitaus zahlreicher sind, als wenn nur auf die primären motive des Geschmackserlebnisses und der Vermeidung von Hunger abgehoben wird. (siehe auch Übersicht weiter unten)

Geschmacksvorlieben
Untersuchungen über Geschmacksvorlieben zeigen, dass beim Neugeborenen seine von Lernerfahrungen unabhängige Vorliebe für Süssgeschmack und eine Abneigung gegen die Geschmacksrichtung salzig, sauer und bitter besteht. Erst im Laufe der ersten Lebensjahre kommt es zu einer stärkeren Akzeptanz gegenüber dem salzigen und bitteren Geschmack, die im jeweiligen kulturellen Kontext "gelernt" wird.

Mere exposure effect
Der mere exposure effect beschreibt die Tatsache, dass sich Nahrungsvorlieben und -gewohneheiten zu einem grossen Teil alleine durch Kontakt und Erfahrung mit einer bestimmten Speisen und Geschmacksrichtungen entwickeln. Zwar lehnen die meisten Kinder zunächst bestimmte Lebens- und Genussmittel (z.B. Kaffee, Spargel) ab, entwickeln aber durch häufiges Probieren und aufgrund des Bedürfnisses nach sozialer Anerkennung später ähnliche Geschmacksvorlieben oder -abneigungen wie ihre Eltern bzw. Vorbilder. Besond3ers starke Übereinstimmungen gibt es mit den elterlichen Abneigungen, während die elterlichen Vorlieben nicht ohne weiteres übernommen werden!

Drei-Komponenten-Modell
Zur Erklärung des Essverhaltens werden drei sich überlagernde Faktoren beschrieben:

  1. Innere Signale - dazu zählen die biologischen Körpersignale wie z.B. Hunger oder Sättigungsgefühl
  2. Äussere Reize - dazu zählen die elterlich bzw. kulturell vermittelten Einstellungen und Bewertungen bzw. antrainierten Ernährungsgewohnheiten
  3. Kognitive Steuerung - dazu zählen alle bewusst vorgenommenen Massnahmen zur Steuerung des eigenen Ernährungsverhaltens wie z.B. die Auswahl von Lebensmitteln nach ihrem ernährungsphysiologischen Wert oder das Einhalten bestimmter Ernährungsformen/Diäten.

Die Wechselwirkungen dieser drei Faktoren in Abhängigkeit vom Lebensalter werden wie folgt beschrieben:
Wechselwirkungen
Gezügeltes Essen
Ein bedeutender Forschungsgegenstand in der Ernährungspsychologie ist das Phänomen des gezügelten Essverhaltens.

Definition:
"Als gezieltes Essverhalten wird ein zeitlich relative überdauerndes Muster der Nahrungsaufnahme bezeichnet, gekennzeichnet durch eine kognitive Kontrolle und Übersteuerung physiologischer Hunger- und psychologischer Appetenzsignale, das auf eine geringer Kalorienzfuhr zum Zweck der Gewichtsreduktion und oder Gewichtskonstanz zielt."

Beim gezügelten Essverhalten geht es darum, die Nahungsaufnahme durch kognitive Kontrolle und nicht durch Hunger oder Appetitsignale reguliert wird. Gezügeltes Essen kann sich in lebenslangem Diät halten, aber auch in wiederholten Phasen kurzzeitiger Diäten äussern. Untersuchungen zeigten, dass gezügelte Esser, im Gegensatz zu ungezügelten Essern, bei negativer Stimmung dazu neigen, mehr zu essen als bei positiver oder neutraler Stimmung.

Gezügelte Esser sind jedoch keine homogene Gruppe. Nicht alle weisen Essanfälle oder Störbarkeiten im Essverhalten auf. Gezügeltes Essen ist weit verbreitet, schon bei Kindern gibt es Anzeichen von gezügeltem Essverhalten.

Externalität
Gezügelte Esse essen mehr, wenn die selbst auferlegte Nahrungs-Beschränkung unterbrochen wird. Externalität bedeutet, dass Personen in ihrem Essverhalten stark von äusseren Reizen beeinflusst werden. Die Betroffenen können anscheinend nur schwer widerstehen, wenn sie sichtbaren Essreizen ausgesetzt werden. Innere Reize hingegen nehmen sie kaum war.  Der Verlust des Appetits im Laufe einer Mahlzeit  ist zeitlich stark verzögert und stress kann zu erhöhter Nahungsaufnahme führen. Gezügelte Esser sind sowohl unter den Adipösen als auch unter den Normalgewichtigen zu finden. In dr Adipostias Therapie ist das gezügelte Essen ein wünschenswertes Ziel, da die kognitive kontrolle in vielen fällen für den Erfolg einer Gewichtsreduktion entscheidend ist. Untersuchungen zeigte, dass übergewichtige Probanden mit stark ausgeprägter kognitiver Kontrolle ihr Gewicht besonders erfolgreich reduzierten. Auch die gezügelten Esser unter den Normalgewichtigen liegen in der Regel unterhalb ihres Setpoint bedeutet in Zusammenhang mit dem Körpergewicht, dass sich eine "regulierte Grösse" darstellt, die vom Organismus in einem konstanten Bereich gehalten wird, ähnlich wie blutdruck oder Körpertemperatur. Problematisch ist die Tatsache dass sich gezügelte Esser in einem Zustand des Energiemangels befinden, um so ihr gesellschaftlich ideales Körpergewicht zu halten. Gezügeltes Essen birgt eigne Gefahren. Je stärker dieses Verhalten ausgeprägt ist, desto grössere Schwierigkeiten, wie z.B. vermehrte Heisshungeranfälle, Süsshunger können auftreten. Ausserdem scheint gezügeltes Essverhalten mit der Entwicklung von Essanfällen bei Anorexie und Bulimie in Verbindung gebracht werden zu können.

Übersicht Motive der Lebensmittelauswahl:

Motive Beispiele im Alltag
Geschmacksanspruch Erdbeeren mit Schlagrahm sind der höchste Genuss
Hungergefühl Ich habe einfach Hunger/ich muss da jetzt essen
Ökonomische Bedingungen Sonderangebote, das kaufe ich
Kulturelle Einflüsse Morgens Brötchen mit Kaffee
Tradionelle Einflüsse Grosis Weihnachtsguetzli zu Weihnachten
Habituelle Bedingungen Ich esse immer Suppe vor der Hauptmalzeit
Emotionale Wirkung Kuchen in der Stresssituation
Soziale Gründe Bei Fondue lässt es sich gut unterhalten
Soziale Statusbedingung Die Meiers laden wir zu Hummer ein
Angebotslage Man ist das Mensaessen weil es gerade da ist
Gesundheitsüberlegungen Soll gesund sein, also esse ich das
Fitnessüberlegungen Soll gut fürs Joggen sein
Schönheitsansprüche Halte Diät um schlank zu bleiben
Verträglichkeit Kabis vertrage ich nicht
Neugier Mal sehen wie das schmeckt
Angst vor Schaden Esse ich nicht mehr, weil da Schadstoff drin sind
Pädagogische Gründe Wenn du die Ufzgi machst bekommst du ein Zältli
Krankheitserfordernisse Zucker darf nicht essen, wegen Diabetes
Magische Zuweisungen Sellerie esse ich für die Potenz
Pseudowissenschaftlich 10 harte Eier zum abnehmen

Gestörtes Essverhalten
Zu den Essstörungen zählen vor allem die Anorexia Nervosa und die Bulimia nervosa. Neuerdings wird auch die Möglichkeit diskutiert, dass die Binge  Eating Disorder eine eigne Essstörung darstellt. Adipostias kann mit einer Essstörung verbunden sein, ist es aber nicht immer. Die Binge Eating Disorder ist gekennzeichnet durch regelmässige Essanfälle an mindestens zwei Tagen pro Woche im Verlauf von mindestens sechs Monaten, während denen der Verlust der Kontrolle über das Essen empfunden wird. Die Essanfälle sind mit drei oder mehr der folgenden Merkmale verbunden:

  1. Es wird wesentlich schneller gegessen als normal,
  2. es wird gegessen bis man sich unangenehm voll fühlt,
  3. es werden grosse Mengen gegessen, obwohl man sich nicht körperlich hungrig fühlt,
  4. es wird allein gegessen, weil es einem Peinlich ist, wie viel man isst.
  5. man fühlt sich von sich selbst angeekelt, depressiv oder sehr schuldig nach dem Überessen.

Im Gegensatz zu Bulimia nervosa sind die Essanfälle nicht mit der regelmässigen Anwendung von unangemessenen Kompensationsverhalten (z.B. abführende Massnahmen, Erbrechen, exzessiver Sport) verbunden.

Ernährungsberatung
Ernährungsberatung beschreibt das "kommunikative Wechselspiel" zwischen Berater und Klient. Die wissenschaftlich begründeten Erenährungsempfehlungen und das Essverhalten des Klienten sollten angeglichen werden. Das Ziel besteht in einer "Hilfe zur Selbsthilfe", wodurch der Klient befähigt wird seine Ernährung zu optimieren. Der Beratungsprozess sollte  in 4 Schritten erfolgen:

  1. Verhaltensdiagnose
    www.biloba.ch Ernährungsberatung arbeitet mit Psychologinnen zusammen. Hierbei wird geklärt, "wann und wo der Klient was isst und trinkt". Dies kann in eine Ernährungsprotokoll vom Klienten selbst erfasst werden bzw. mit Fragbögen von www.biloba.ch erfassen.
  2. Zieldefinition:
    Nach der Verhaltensdiagnose kann eine auf den Klienten zugeschnittene Ist-Soll-Analyse gemacht werden. "Dieser Ist-Soll-Vergleich liefert der Ernährungsberatung die konkreten und quantitativ bestimmbaren Ziele, denen sich ein geädertes Essverhalten des Klienten annähern soll."
  3.  Zielhierachie:
    Nach Verhaltensdiagnose und Zielplanung sollte mit dem Klienten eine Zielhierarchie festgelegt werden. Hierbei ist zu berücksichtigen. Mit welchem Schwierigkeitsgrad seine Ziele zu verwirklichen sind und welche Prioritäten gesetzt werden.
  4. Massnahmeplanung:
    Gemeinsam wird festgelegt, welche Verhaltensweisen der Klient verändern wird. Dabei ist das Prinzip der kleinen Schritte zu verfolgen. Die Massnahmen sollten möglichst konkret (Z.B. "Essen Sie jeden tag 4 Scheiben Vollkornbrot" anstelle von "Essen Sie ballasthoffreich") und für den Klienten realisierbar sein. Pro Zeiteinheit(Tag/Woche/Monat) sollten nur  wenige Vorsätze gefasst werden, um eine dauerhafte Verhaltensänderung herbeizuführen.

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Lehr- und Handbuch der Ernährungspsychologie

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