Kritik an Soja nicht berechtigt
Immer wieder erscheinen Artikel mit Titeln wie "Warnung vor Soja Konsum", die Konsumenten von Soja Produkten sehr verunsichern. Hier eine Klarstellung zu den Fakten.
Soja Produkte sind sogar sehr gesund siehe www.biloba.ch/tipps/isoflavone.htm oder www.pro-soja.de
Um was geht es in der Diskussion: Gesundheitsrisiken durch Soja?
Die Sojabohne gehört zu den Ölsaaten unter den Hülsenfrüchten. Sie ist die Grundlage für eine grosse Anzahl von Lebensmitteln und industriellen Erzeugnissen Sojabohnenprodukte sind schon seit langer Zeit geschätzte Lebensmittel. Insbesondere VegetarierInnen schätzen die Sojabohne auf Grund ihres hohen und hochwertigen Eiweissgehaltes sowie des hohen Gehaltes an Vitamin E und den B-Vitaminen. Daneben finden sich zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie z.B. Phyto-Östrogene, denen insbesondere gesundheitsförderliche Wirkungen im Hinblick auf die Krebsprävention zugeschrieben wird. Wie auch in anderen Hülsenfrüchten sind in der Sojabohne toxisch wirkende Substanzen (z. B. Proteaseinhibitoren und Lektine) zu finden, deren Wirkungen jedoch durch geeignete Verfahren (Erhitzen, Fermentation) gemindert werden können. Diese "giftigen" Substanzen zählen ebenfalls zu den sekundären Pflanzenstoffen. In letzter Zeit kursieren in nichtwissenschaftlichen Magazinen und im Internet Artikel, die der Sojabohne gesundheitsschädigende Wirkungen zuschreiben. Insbesondere der Artikel "Tragedy and Hype", zuerst erschienen im Nexus Magazin, ist unter vielen verschiedenen url-Adressen verbreitet. Ziel des Nexus Magazins ist es nach Angaben der Herausgeber, Informationen rund um die Themen Gesundheit, Wissenschaft, spektakuläre Ereignisse der Welt und Geschichte sowie das "Unerklärbare" (the unexplained) zu präsentieren. Das Magazin bietet nach Aussagen der Herausgeber insbesondere diejenigen Informationen an, die von anderen Magazinen "ignoriert" und deren "Verbreitung unterdrückt" werden.
Der Artikel "Tragedy and Hype" (Tragödie und Betrug) weist auf potenzielle Gefahren hin, die angeblich durch den Verzehr von Sojabohnen hervorgerufen werden können. So werden unter anderem folgende Punkte behauptet:
- Soja enthält eine grosse Menge natürlicher Schadstoffe und Gifte, z.B. Protease-Hemmstoffe, Lektine, Phytin-säure sowie Substanzen, welche die Schilddrüsenfunktion negativ beeinflussen, und Phyto-Östrogene. So soll z. B. die Phytin-säure der Sojabohne bei vermehrtem Verzehr von Soja dazu führen, dass schwerwiegende Mineralstoffdefizite (insbesondere Eisen, Kalzium und Zink) auftreten.
- Die Phyto-Östrogene werden dafür verantwortlich gemacht, dass bei Kindern, die mit industrieller Formelnahrung auf Sojabasis ernährt wurden, die Pubertät zu früh eintritt. Des Weiteren werden die Phyto-Östrogene für Entwicklungsstörungen bei Kindern, Fortpflanzungsschwierigkeiten, Unfruchtbarkeit, Knochendeformationen und Schilddrüsenproblemen verantwortlich gemacht.
- Auch das vermehrte Auftreten bestimmter Krebsarten im asiatischen Raum wird auf den Sojaverzehr zurückgeführt.
- Ein hoher Tofuverzehr wird mit dem Verlust kognitiver Funktionen (wie bspw. bei Morbus Alzheimer) in Verbindung gebracht.
Viele Konsumenten von Soja sind durch derartige Aussagen verunsichert, es soll deshalb im Folgenden versucht werden, die gemachten Behauptungen aus wissenschaftlicher Sicht zu beurteilen. Dabei fällt grundsätzlich auf, dass der Beitrag viele wissenschaftlich korrekte Fakten zitiert, diese aber häufig in einen nicht existierenden Zusammenhang stellt und durch falsche aber zunächst scheinbar plausible Aussagen ergänzt.
Soja und Gehirnfunktionen
Die zitierte Studie von Dr. Lon White, in der ein vermehrter Tofuverzehr (zwei oder mehr Portionen pro Woche) mit beschleunigter Gehirnalterung in Zusammenhang gebracht wurde, weist systematische Schwächen auf. Die Gruppe der Männer, die grosse Mengen an Tofu konsumierte, unterschied sich signifikant von den anderen Männern. So lag das Gruppenalter um zwei Jahre höher, mehr Männer dieser Gruppe hatten zuvor Schlaganfälle erlitten (beeinträchtigt die Hirnfunktion), und mehr Männer kamen aus ärmeren Familien (möglicherweise Mangelernährung als Fötus und / oder Säugling, die mit einer limitierten Gehirnentwicklung einhergehen kann) Seriöse Aussagen zum negativen Einfluss von Soja bzw. Sojaprodukten auf die Gehirnfunktion lassen sich daher aus dieser Studie nicht ableiten.
Soja und Krebs
Der regelmässige Verzehr von Soja wird für verschiedene Tumorarten verantwortlich gemacht, die im asiatischen Raum gehäuft auftreten.
Asiaten leiden im internationalen Vergleich öfter an Speiseröhrenkrebs und Magenkrebs, seltener an Dickdarm- und Lungenkrebs sowie an den hormonabhängigen Tumoren von Prostata und Brust. Für erhöhte Raten an Magenkrebs sind jedoch nicht der hohe Verzehr von Soja, sondern der in Asien übliche hohe Salzkonsum und der vermehrte Verzehr von gegrilltem Fleisch und Fisch verantwortlich.
Das Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, steigt mit hohem Alkoholkonsum und dem (ebenfalls in Asien üblichen) Verzehr sehr heisser Speisen und Getränke.
Soja und Frühreife
Des Weiteren zitiert der Artikel Auszüge einer Studie aus Puerto Rico. Kinderärzte konnten zwischen 1978 und 1981 eine dreifache Erhöhung der Patientenzahl mit verfrühter sexueller Reife beobachten. In der Fall-Kontroll-Studie konnte in 50 % der Fälle von Kindern unter 2 Jahren mit einsetzender Thelarche (Entwicklung der weiblichen Brustwarzen und Brustdrüsen) ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Ovarialzysten bei den Müttern, dem Verzehr von Sojabasierter Formelnahrung und verschiedenen Fleischprodukten aufgezeigt werden. Diese Ergebnisse sind allerdings nicht als alleiniger Grund für eine frühe Thelarche anzusehen, da 50 % der Fälle (also die andere Hälfte der Kinder unter zwei Jahren mit verfrühter Thelarche) diesen Faktoren nicht ausgesetzt waren. Entgegen der Vermutung, die auch im Artikel "Tragedy and Hype" ausgesprochen wird, konnte die zitierte Studie keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Substanzen mit potenziellem östrogenem Potenzial und einer verfrühten sexuellen Reife aufzeigen.
Der Artikel weist ausserdem auf den "alarmierenden Zustand" hin, dass die Pubertät bei Mädchen immer früher einsetzt. Tatsächlich tritt die erste Menstruation zumindest in den Industrienationen um 3 - 4 Jahre früher auf als vor etwa 100 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt in Deutschland derzeit bei 12-13 Jahren, mit einer Spannweite von 9-17 Jahren. Heutzutage wird davon ausgegangen, dass eine optimale Körperkonstellation (Körpergrösse, Gewicht (mind. Körperfettgehalt von 17 %) und das Nichtvorhandensein von Infekten) die Hypo-physenvorderlappen stimulieren, die notwendigen Hormone FSH und LH auszuschütten. In Folge dessen produzieren und sezernieren die Ovarien Östrogene, und die erste Menstruation (Menarche) tritt auf. Eine gute Versorgung mit Nahrungsmitteln (beeinflusst das Wachstum und Körpergewicht) sowie die verbesserte medizinische Versorgung (beeinflusst den Gesundheitsstatus) bedingen die im Vergleich frühere sexuelle Reife.
Kompletter Bericht mit weiterführenden Infos (PDF, 190KB)
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